Beitreten

Werden Sie Mitglied

Punktesystem zur Förderung der Stadtbiodiversität

Die GLP möchte das Potenzial der Stadt Rapperswil-Jona für die Biodiversität besser nutzen, deswegen hat sie ein Konzept ausgearbeitet, welches sowohl öffentliche wie auch private Grundstücke miteinbezieht. Die GLP hat ihr Konzept durch das Stadtforum dem Stadtrat zur Prüfung vorgelegt. Der Stadtrat würdigte unsere Idee als innovativ und steht grunsätzlich auch positv gegenüber private Liegenschaften in die Biodiversitätsbemühungen einzubeziehen. Zurzeit werde alllerdings ein ganzheitliches Biodiversitätskonzept duch die Naturschutzkomission erstellt.

Dramatischer Biodiversitätsrückgang

 In einer grossangelegten Studie „Wandel der Biodiversität in der Schweiz seit 1900“ haben 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 2010 nachgewiesen, dass in der Schweiz die Artenvielfalt dramatisch zurückgegangen ist, vor allem im Mittelland ist die Biodiversität auf einem bedenklich tiefen Niveau. Früher häufige Arten mussten drastische Arealverluste hinnehmen und die Populationsgrössen sind stark gesunken. Heute befinden sich in der Schweiz ein Drittel der heimischen Flora und Fauna auf der Roten Liste (ausgestorben, verschollen oder gefährdet). Die Hauptgründe für diese Entwicklung sind:
  • Die Intensivierung der Landwirtschaft (Überdüngung, Trockenlegen von Rietflächen und Strukturbereinigungen)
  • Gewässerverbauungen
  • Die Ausdehnung der Siedlungsfläche (heute wird ein Quadratmeter pro Sekunde verbaut)
  • Die Zerschneidung der Landschaft durch Strassen (genetische Isolation der Populationen, Unterbruch der Wanderungen)
  • Die Jagd (Biber, Wolf, Bartgeier)
Die Biodiversität – also die Vielfalt der Arten, Gene und Ökosysteme – ist die Lebensgrundlage des Menschen. Sie ermöglicht Ökosystemleistungen wie Bodenfruchtbarkeit, Biomasse zur Ernährung, Gewinnung von Arzneimittel, Wasserreinigung, Stabilisierung von Hängen, Hochwasserschutz, Erholung oder Landschaftsqualität (Tourismus). Zudem sind vielfältige Ökosysteme anpassungsfähiger und krisenresistenter (zB ggü. Klimawandel). Aus diesen Gründen und aus der moralischen Pflicht die Gesamtheit des Lebens für kommende Generationen zu erhalten, müssen zusätzliche Massnahmen ergriffen werden, um dem Biodiversitätsrückgang entgegen zu wirken.

Handlungsfelder im Siedlungsraum

 Der Siedlungsraum ist für die Biodiversität Gefahr und Chance zugleich. Einerseits gerät die Artenvielfalt durch Ausdehnung der Siedlungsfläche, Zersiedelung und verdichtetes Bauen zusehends unter Druck, anderseits könnte die Stadt einen attraktiven Ersatzlebensraum darstellen. Gärten, Parks, Friedhöfe, Spielplätze und Industrieareale bilden ein komplexes Mosaik aus Habitaten, welches ein grosses Potenzial für die Biodiversität in sich trägt. Dieses Potenzial gilt es zu fördern, um einen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt zu leisten und um von den positiven Effekten von naturnahen Grünflächen zu profitieren.

Grünflächen tragen zur Beschattung, zur Luftentstaubung und somit zur Temperaturregulation bei, machen die Natur erlebbar und haben eine positiven Einfluss auf die mentale und physische Gesundheit. Eine Untersuchung von „BiodiverCity“ zeigt, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung in einer naturnahen aber gepflegten Umgebung mit einer hohen Biodiversität besonders wohl fühlt.

Ein Punktsystem als innovative Lösung

 Die GLP streben an, dass bei jedem Neubau respektive Umbau die Bauherrschaft (Grossinvestoren aber auch Private) zum Biodiversitätsschutz verpflichtet wird. Schliesslich geht die Artenvielfalt uns alle etwas an und wir alle sollten unseren Teil zu ihrem Erhalt beitragen. Wichtig ist der GLP Rapperswil-Jona neben dem Hauptziel dem Artenschwund Einhalt zu gebieten, dass potenzielle Massnahmen eine grösstmögliche Freiheit des Einzelnen erhalten, kosteneffizient und unbürokratisch umgesetzt werden können.

Diese Kriterien erfüllt ein Punktesystem, wie es ähnlich bereits in anderen Bereichen erfolgreich angewandt wird. Ein Beispiel dafür ist die Landwirtschaft: Die Organisation IP-Suisse geltet die Leistungen der Bäuerinnen und Bauern im Bereich der Biodiversität mit Hilfe eins Punktesystems ab (Siehe http://www.ipsuisse.ch/web/_id160.aspx).

Konkret müsste jeder Bauherr aus einem von der Stadt erstellten Katalog von Massnahmen, die unterschiedlich gewichtet werden, (z.B. Blumenwiese 10 Punkte, einheimische Sträucher 15 Punkte, Trockensteinmauer 5 Punkte) auswählen und eine Mindestpunktzahl erreichen, um eine Baubewilligung erteilt zu bekommen. Die Kontrollen, ob die selbst ausgewählten Massnahmen auch wirklich umgesetzt worden sind, könnte man in die bestehenden Gebäudeabnahmen integrieren, somit wäre der zusätzliche Aufwand gering. Alles in Allem würde ein System geschaffen, dass einen vielfältiges Mosaik an hochwertigen Biotopen in der ganzen Stadt entstehen lässt, dass die Lebensqualität erhöht, dass ein nachhaltiges ganzheitliches Denken fördert und dass keine oder nur wenige zusätzliche Kosten generiert.